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Sucht

Sucht ist ein so starkes Verlangen nach bestimmten Zuständen, dass sich ihm der Verstand unterwirft. Die freie Entfaltung und die sozialen Beziehungen werden ausgehöhlt. Tabak, Alkohol, Medikamente, Drogen, Glücksspiel, Internet, Shopping, Arbeit, Sex u.v.m. kann süchtig machen. Wir sind keine ausgesprochene Suchtpraxis, können für Sie jedoch erste Anlaufstelle sein, wenn Sie oder Ihr Umfeld derartige Probleme feststellen.

Die allerwichtigste Voraussetzung der Genesung ist Ihre eigene Motivation. Entgiftung und Entwöhung finden am besten in Spezialeinrichtungen statt, die Nachsorge bei Suchttherapeuten.

Mögliche Motivationen für Suchtverhalten. Fallen Ihnen auf Anhieb Alternativen ein?

  • Stressabbau.
  • Spaß haben, “high sein”.
  • Schlaf verbessern.
  • Angst reduzieren.
  • Schmerzen lindern.
  • Stimmung anheben.
  • Gruppenzugehörigkeit.
  • Leistungsfähigkeit steigern.
  • Neugier, Experimentierfreude.

 

Die Sucht frisst alles, am liebsten aber das Glück.

– Marie Ebner-Eschenbach – Schriftstellerin

Rückfälle und Folgeschäden vermeiden


  • Willenskraft stärken durch:
    • Schlaf.
    • Meditation, Entspannungsverfahren.
    • Sport.
    • gesunde Ernährung.

  • Seien Sie nachsichtig mit sich, wenn sie rückfällig werden. Es passiert fast jedem. Wer sich selbst geißelt und niedermacht, neigt sogar zu erneuten Rückfällen.
  • Stellen Sie sich nicht nur vor, wie Ihr Leben ohne Sucht aussehen könnte, sondern verhalten sie sich so, als hätten Sie es schon geschafft
  • Stellen Sie sich Situationen vor, in denen ein Rückfall sehr wahrscheinlich wäre und stellen Sie einen Plan für den Fall auf, dass die Situation eintritt.
  • Wird der Drang einmal besonders stark, denken Sie daran dass er auch wieder aufhört. Lernen Sie, den Drang bewusst auszuhalten.

Krankheitsbild

Das Wort Sucht kommt von “siechen” – das Leiden an einer Krankheit. Nicht von “suchen” nach extremen Zuständen. Auch wenn heutzutage oft Letzteres gemeint ist. Diese Zustände können durch chemische Substanzen (Nikotin, Alkohol, Medikamente, Drogen) oder Verhaltensweisen (Shopping, Spielen, usw.) erlangt werden. Bei den chemischen Substanzen wird in der Regel von Abhängigkeit gesprochen, bei den Verhaltensweisen oft eher von Süchten. In der Alltagssprache kommen viele weitere, nicht unbedingt krankhafte Süchte hinzu (z.B. Streitsucht). Diese und weitere, mit Sucht im Zusammenhang stehenden Begriffe, müssen genauer betrachtet werden.



Rausch:  Zustandsbild nach Aufnahme einer Substanz mit Veränderungen von Bewusstsein, Denken, Wahrnehmung, Emotion oder Verhaltensweisen im direkten Zusammenhang mit der Wirkungen der Substanz auf das Gehirn. Im Prinzip handelt es sich um eine erwünschte Vergiftungserscheinung. Bei einer Überdosierung drohen dauerhafte Schäden.


Gebrauchsweisen: Unerlaubter Gebrauch ist ein von der Gesellschaft nicht tolerierter oder übermäßiger Gebrauch (z.B., wenn Jugendliche zu viel trinken). Gefährlicher Gebrauch ist ein Gebrauch, bei dem Schäden in Kauf genommen werden (etwa wenn man sich alkoholisiert ans Steuer setzt). Dysfunktionaler Gebrauch liegt vor, wenn psychische oder soziale Anforderungen beeinträchtigt sind (z.B., wenn einem der Führerschein entzogen wurde). Schädlicher Gebrauch hat bereits gesundheitliche Folgen (z.B. Lungen- oder Lebererkrankungen, Unfälle, depressive Episoden ) hervorgerufen.


Abhängigkeit: Sie entwickelt sich nach wiederholtem Gebrauch. Es besteht ein starker Wunsch, die Substanz erneut einzunehmen (engl. craving). Die Kontrolle über gebrauchte Mengen geht verloren und – trotz schädlicher sozialer oder gesundheitlicher Folgen – wird die Substanz weiter eingenommen (z.B. nach einem Gesetzeskonflikt oder einer Erkrankung).  Der Substanzgebrauch bekommt Vorrang. Andere Aktivitäten und Verpflichtungen verlieren an Bedeutung. Die Substanz wird zunehmend in immer höheren Mengen gebraucht, um den gewünschten Zustand zu erreichen (Toleranz). Steht die Substanz nicht zur Verfügung, treten Entzugssymptome auf.


Entzug: Wenn die Substanz nicht anhaltend gebraucht wird, treten psychische oder körperliche Symptome auf. Dauer und Schwere sind von der Substanz und der zuletzt genutzten Dosierung abhängig.  Beispiele sind Nervosität, Zittern, Schwitzen, Durchfälle und schlimmeres (s.u.).


Entzugsdelir: Besonders ausgeprägte Entzugssymptomatik mit Verwirrtheit, Halluzinationen, Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Bluthochdruck, Aggression, epileptischen Anfällen.


Psychotische Störungen: Sie treten während der Zeit des Substanzgebrauchs auf, sind jedoch nicht auf die akute Vergiftung zurückzuführen (z.B. Eifersuchtswahn, Halluzinationen wie Stimmen hören oder das Gefühl, Insekten krabbeln unter der Haut, Verfolgungsideen, Ängste).


Amnesie: Insbesondere Alkohol kann Hirnschäden verursachen, welche das Kurzzeitgedächtnis sehr stark stören. Die Gedächtnislücken werden oft durch erfundene Geschichten (Konfabulationen) übertüncht.


Restzustände und verzögerte psychotische Wirkungen: Sie stehen im Zusammenhang mit einer Restwirkung des letzten Substanzgebrauchs. Hierzu gehören, z.B., Nachhallungen (Flashbacks) nach dem Gebrauch von Halluzinogenen.

Diagnostik

Am Anfang steht hier das ärztliche Gespräch. Erfasst werden, u.a., die Art der Sucht, Beginn und Dauer des Suchtverhaltens sowie weitere Details zu den Verhaltensmustern und sozialen Umständen der Sucht. Auch die Vorgeschichte ist wichtig (z.B. Entgiftungs- und Entwöhnungsversuche, Medikamententherapien). Auch psychiatrische und internistische Grund- und Folgeerkrankungen werden erfragt. Des Weiteren werden Aspekte der Sozial-, Berufs- und Familienanamnese berücksichtigt. Im Labor können Drogen bzw. indirekte Hinweise auf Alkoholkonsum sowie auf Folgeschäden festgestellt werden (z.B. Lebererkrankungen). Ggf. kommen Verfahren der Neurophysiologie (z.B. eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße nach langjähriger Tabaksucht) hinzu.

Akzeptieren, dass man sein Leben ändern muss. Hierfür alles zu geben was in einem steckt. Es scheint unmöglich, bis es getan ist!

Therapie

Die Therapie der Suchterkrankungen ist ein sehr spezialisierter Bereich innerhalb der Psychiatrie, der viel Expertenwissen und hohe zeitliche Ressourcen erfordert. Wir führen daher in der Regel keine ambulanten Entzugs- oder Entwöhnungsbehandlungen bei uns durch. Wir beraten Sie allerdings gerne, und vermitteln Sie an spezialisierte Partner im Gesundheitssystem.



Suchtambulanzen:
LVR-Kliniken Köln, Tel. 0221 / 8993-0


Alexianer Köln Porz, Tel. 0 22 03 / 36 91-11 700


Psychosomatische Klinik Bergisch Gladbach, Tel. 02202 / 206-0


Klinik Alteburger Straße, Tel. 0221 / 3394-0


Fachambulanz Sucht des SKM (Innenstadt  0221 2074-325, Porz 02203 / 95536-19)



Eine sehr wichtige Rolle in der dauerhaften Genesung aus einer Sucht spielen Selbsthilfegruppen und Verbände von Betroffenen. Daher hier eine kleine Auswahl:



Alkohol-Selbsthilfe:


https://www.anonyme-alkoholiker.de/


http://www.blaues-kreuz-koeln.de/


https://guttempler.de/


www.al-anon.de


www.aaradiokoeln.de



Drogen-Selbsthilfe:


https://narcotics-anonymous.de/


www.elternkreis-koeln2.de


www.na-west.de


www.vision-ev.de



Verhaltenssüchte-Selbsthilfe:


https://www.spielfrei.info/ (Glücksspiel)


https://slaa.de/ (Sex)


http://www.anonyme-sexsuechtige.de/

Quellen
Heinz A, Liu S: Addiction to legal drugs and medicines in Germany. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 575–6.
Seitz NN et al: Trends in substance use and related disorders—analysis of the Epidemiological Survey of Substance Abuse 1995 to 2018. Dtsch Arztebl Int 2019; 118: 585–91
Atzendorf J et al: The use of alcohol, tobacco, illegal drugs and prescribed medicines—an estimate of consumption and substance-related disorders in Germany. Dtsch Arztebl Int 2019; 118: 577–84
https://de.wikipedia.org/wiki/Abh%C3%A4ngigkeit_(Medizin)#Literatur
https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2018/block-f10-f19.htm

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Infos und Selbsthilfe

Hier finden Sie eine kleine Auswahl an nützlichen Informationen, die Ihnen helfen:

Suchtambulanz der LVR-Kliniken, Merheim
Suchtambulanz der Alexianer, Porz
Suchtambulanz der PSK Bergisch Gladbach
Suchtambulanz der Klinik Alteburger Straße, Südstadt
Suchtambulanz des SKM, Innenstadt und Porz
Kölner Suchthilfe e.V.
Drogenhilfe Köln e.V.
Suchberatung der Diakonie Köln
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Selbsthilfe:


Hier gibt es glücklicherweise eine große Zahl aktiver Gruppen. Sie sind unter “Therapie” aufgelistet, denn sie gehören ganz entscheidend zur Therapie

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